Man definiere Luxus im Paradies – Kanifushi Island, Malediven

13. Mai 2016

Traumurlaub auf den Malediven

Meine Reise auf die Malediven-Insel Kanifushi brachte mich wieder auf eine grundlegende Frage, die diesem Blog zugrunde liegt: Was ist eigentlich Luxus?

2008 zog ich mit meinem Travelmate Stephie los, um die Welt mit dem Trolley zu bereisen. Unsere Trolleys rollten von Kalifornien nach Hawaii, von Australien nach Neuseeland und bis auf die Fiji-Inseln. Hostels kamen uns nicht in den Sinn, 5 Sterne schon viel eher. Und dennoch war unsere Weltreise nicht von Luxus im üblichen Sinne definiert. Wir erfreuten uns am Stilbruch, checkten mit dem Campingbus in noblen Hotels ein und tranken unseren Sparkling rosé aus Pappbechern. Die Yogamatte hatte ich schon damals mit dabei, doch seit dieser Reise hat sich viel verändert. Unter anderem meine Definition von Luxus. “High-heels statt Low-Budget” lautete anfangs noch einer unserer Slogans. Ja, so war das damals, als außer der üblichen Backpacker-Onlinetagebücher noch kaum deutschsprachige Reiseblogs im Netz zu finden waren.

Kanifushi, Malediven – Luxusinsel im indischen Ozean

Die High-heels habe ich mittlerweile durch meine Vorliebe für Barfoot-Luxury ersetzt, allerdings reise ich noch immer mit dem Trolley. Ich habe noch immer noch kein Hostel von innen gesehen, aber sehr viele Luxushotels. Und ich muss an dieser Stelle wieder mal zugeben, dass in mir diese yogaübende Diva steckt, die sich einfach so schrecklich schnell an gutes Design, blütenweiße Kissen, gut bestückte Minibars, private Terrassen mit Meerblick und  Badezimmer so groß wie Wohnungen gewöhnen kann. Also muss ich nicht erwähnen, dass ich mich im Atmosphere Kanifushi Resort Maldives* gleich nach Ankunft mit dem Wasserflugzeug – und der Begrüßung durch das aufgereihte Personal am Steg inklusive landestypischer Trommelmusik – wie zu Hause gefüllt habe. Na ja, eigentlich viel besser als zu Hause, denn dort erwartet mich weder Trommelmusik, noch erkundigt sich mein persönlicher Service Manager täglich nach meinem Befinden während er die Pralinen auf die frisch aufgeschlagene Bettdecke legt. Auch steht niemand vor meiner Tür, um mir zwei frisch geerntete Kokosnüsse zu kredenzen. Ich habe auch keine Mini-Bar, die zwei Mal täglich mit allerlei Prickelndem, erlesenen Weinen aus aller Welt, Schokolade und anderen Naschereien aufgefüllt wird. Nicht, dass man all das je essen könnte, denn so ein Tag im Paradies wird täglich durch 3 geteilt: Frühstück, Lunch und Abendessen. Und dabei hat man auch noch die Wahl, ob man sich an endlosen Buffets bedient, die wirklich keine kulinarische Facette außer Acht lassen, oder aber in einem von drei weiteren Restaurants zu speisen gedenkt. Und dann lande ICH, die seit zweieinhalb Jahrzehnten Vegetarierin ist, auf einer Insel im indischen Ozean, wo sich ein rein vegetarisch-veganes Restaurant befindet. Damit noch lange nicht genug, denn das “Just Veg” wurde zum besten Restaurant der Malediven gekürt, vermutlich weil auch Fleischesser danach schmachten, was kein geringerer als Fabrizio Marino kreiert. In Mailand betreibt er das Veggie-Restaurant Joia, das dem Guide Michelin sogar einen Stern wert war. Auf meinem Hotelfahrrad sah man mich also täglich munter bei 75 % Luftfeuchtigkeit von meiner Beach-Villa zum “Just Veg” am Ende der Insel radeln, um mir fantastische Menüs mit bestem Service auftischen zu lassen. Und immer dann, wenn die Meeresbrise nicht genug Abkühlung bringt, bekomme ich eiskalte, gerollte Handtücher mit der Zange gereicht. Luxus? Nun ja, anders lässt sich das nicht beschreiben. Und ich bin all dem nicht abgeneigt.

Blüten am Bett & Badezimmer ohne Dach

Ich radle zurück – es gäbe natürlich auch praktische Golfcar-Shuttles, aber ich möchte demonstrieren, dass ich zumindest irgendetwas auf dieser Insel selbst tun kann. Meine Villa finde ich innen und außen sanft beleuchtet vor. Ein Zeichen, dass mein Service Manager schon am Werk war. Es ist zu heiß, um auf meiner privaten Terrasse ein Glas Wein zu trinken und zwischen den Foto-Tapeten-Palmen das im Mondschein funkelnde Meer zu beobachten. Welch’ fürchterliches Luxusproblem! Ich flüchte mich in meinen Klimaanlagen-gekühlten Bungalow, was ich äußerst selten tue. Die Bettdecke ist heute nicht nur aufgeschlagen, sondern in kleine Plisseefalten gelegt, auf jeder einzelnen trohnt eine rote Blüte. Viel zu schade, um das Kunstwerk zu zerstören. Also bleibe ich noch ein Weilchen wach, klappe den Laptop auf. Und ja, natürlich, welche Frage, das WIFI funktioniert auch hier im Paradies perfekt. Die dezenten Mobiltelefon-Masten sind von den Palmen in Höhe und Form kaum zu unterscheiden. Ist das Luxus? Oder ist es mitterweile Standard, selbst an den entlegensten Plätzen zu jeder Tages- und Nachtzeit mit der Welt verbunden zu bleiben? Ich sollte doch ins Bett gehen. Dazu muss ich noch ins Badezimmer. Wobei das kein Müssen, sondern vielmehr das reinste Vergnügen ist. Denn jedes Mal, wenn ich die Tür öffne, weht mir die tropische Hitze entgegen, weil das Badezimmer zwar Wände, aber kein Dach hat. Glas, Holz und subtile Lichtquellen auf dunklem Stein. Die größte Dusche, die die Welt je gesehen hat und ein Gekko, der für einen Moment starr auf der gegenüberliegenden Wand klebt, bevor er eilig im Nichts verschwindet.

Ein Vollbad im Tropenparadies

Ich öffne also die Tür und bin erschrocken. Nicht vom Luxus meines Badezimmers, an den ich mich längst gewöhnt habe, sondern von meiner Whirlwanne, die genau vor mir unter dem Sternenhimmel (Sterne? Ich weiß nicht mehr, waren da welche?) in der Mitte des tropischen Zimmers steht. Sie ist mit Wasser gefüllt, darüber fein gequirlter Schaum und dieselbe Blütendekoration wie auf meinem Bett. Was ich für eine fehlgeleitete Serviceleistung für Honeymooner halte, zählt – wie ich später erfahre – zum Standard im 5-Sterne-Paradies. Es ist fast Mitternacht und ich denke, dass das Vollbad aufgrund meiner Abstinenz längst ausgekühlt sein muss. Ich muss schmunzeln als ich den Finger ins Wasser halte: Natürlich ist es noch immer heiß, wie sollte es bei 37 Grad Lufttemperatur auch jemals abkühlen? Ich denke an das kostbare Wasser und überhaupt an die unglaublichen Ressourcen, die benötigt werden, um verwöhnte Menschen glücklich zu machen. Also tue ich das, was mir gleichzeitig absurd und logisch erscheint: Ich nehme um Mitternacht unter freiem Himmel ein Vollbad, die Luft so heiß wie das Wasser. Und meine Kreislauftropfen – just in case – am Badewannenrand platziert.

Ist Luxus einfach teuer – oder nur das, was man selten bekommt?

In der Hitze des tropischen Vollbades beschäftigt mich erneut die Frage: Wie definiert sich Luxus? Was braucht es tatsächlich, um sich besonders zu fühlen? Es ist bestimmt nicht die Whirlbadewanne – ein Luxus, der im Paradies verzichtbar wäre. Ist es der Champagner, der es bis hierher geschafft hat, nur um mir meine Ankunft neben frischen Früchte-Spießen zu versüßen? Ich habe ihn nicht getrunken, stattdessen die Früchte gegessen, deren Weg wohl weniger weit war, aber die für mich mehr Exotik verkörpern als der französische Schaumwein. Wer hätte geahnt, dass es auf dieser Insel schwieriger werden würde, eine frische Kokosnuss (eines der wenigen Dinge, die auf den Malediven gedeihen) zu bekommen als edle Weine aus Chile. Ich spaziere am menschenleeren Strand entlang, weil die 5-Sterne-Klientel lieber am Pool Cocktails schlürft. Die üblichen Trios bestehend aus Sonnenschirm und zwei Liegen sind dünn gesät, der Privatsphäre wegen. Der versierte Luxusreisende unterscheidet sich kein bisschen vom Pauschaltourist, wenn es darum geht, sein Revier zu markieren. Badetücher werden schon früh am Morgen auf den Liegen ausgebreitet, dann muss man sich später zum Sonnenuntergang nicht um die besten Plätze raufen. Was ist nur los mit dem Luxusmensch? Es kann nicht genug kriegen. Er möchte den Luxus perfekter Natur und dennoch alles, was er zu Hause hat und noch ein bisschen mehr. Und besondere Aufmerksamkeit vom ohnehin schon aufmerksamen Personal. Einer beklagt sich lautstark als sein Ausflug auf die Nachbarinsel wegen Regen abgesagt wird. Er wäre hungrig und hätte besser etwas essen sollen, doch nun ist das Buffet auch schon zu Ende und überhaupt ist es ein Skandal, dass so etwas ohne Ankündigung einfach abgesagt wird. Selbst seine Frau kann ihn nicht beruhigen. Und das Schlimmste dabei: die Herrschaften sprechen meine Sprache, so markant, dass ich sie nicht nur meinem Heimatland, sondern sogar ihrem Wohnort zuordnen kann. Luxus ist…freundlich zu sein, dankbar zu sein. Zu schweigen, zu lächeln, zu genießen, Demut und Freude zu empfinden. Und ist nicht auch die wohlwollende Absicht, im Paradies ein besserer Mensch zu sein, so etwas wie Luxus? Den hier lebenden und arbeitenden Menschen und ihrer Leistung Respekt und Interesse entgegen zu bringen und ihre Geschichten zu hören. Nichts selbstverständlich zu nehmen. Und würde man mich fragen, was mein größter Luxus auf dieser wunderbaren Trauminsel war? Dann würde ich wohl antworten: Barfuß zum Frühstück zu erscheinen!

*Affiliate Link

1 Comment

  • Reply Wohin wollen wir noch reisen? 10 Jahre Follow Your Trolley – Part II - Follow Your Trolley – Reisen & Yoga 27. Juni 2018 at 15:35

    […] Ich denke mal, ich werde nicht die einzige Abonnentin sein. Ich denke zu viel nach. Ich denke an exotische Trauminseln, auf denen französische Weine leichter aufzutreiben sind, als eine Kokosnuss, die an der […]

  • Leave a Reply

    Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen