InstaTrip #18: Venedig, Italien – Ein spontaner Tagesausflug in die Lagunenstadt

9. Juni 2015

Nichts lässt sich einfacher mit einem Kurzurlaub an die obere Adria verbinden, als eine Tagesreise nach Venedig.

Asiaten und Amerikaner reisen um die halbe Welt, nur um einmal Venedig zu sehen. Wie gut, dass mir die Stadt der Gondeln auch für einen schnellen Tagesausflug zu Füßen liegt.

Follow Your Trolley Instagram Hashtag: #FYTinItaly

IMG_1184.JPG

Ein (nachdenklicher) Tag in Venedig

Venedig steht ja noch immer tapfer auf seinen Pfeilern! – genau das denke ich, als ich nach einigen Jahren Abstinenz endlich mal wieder durch die auf Pfählen gebaute Hauptstadt Venetiens schlendere. Es scheint sich nicht viel verändert zu haben – der Canale Grande, die Rialto Brücke, der Markusplatz, die Gondoliere mit ihren Ringelshirts, die vergnügte Touristen durch die Kanäle schippern. Oft hat man der Stadt Venedig, die mal abgesehen von Paris wohl am ehesten mit Liebe und Romantik assoziiert wird, ihren buchstäblichen Untergang prophezeit – zu viele Besucher, zu teuer, zu viel Müll und dazu der steigende Meereswasserspiegel.

Canale Grande Venedig Instagram.JPG

Von diesen Problemen ahnt man nicht viel, während man sich als Teil der Massen durch die belebteren Gassen und über die berühmten Plätze schieben lässt. Doch zweigt man ab, zeigt die Lagunenstadt gleich ein ganz anderes Gesicht. In einer kleinen Sackgasse abseits des Trubels kann es schon mal nach morschem Holz, Schimmel und Urin riechen. Ein Blick in den einen oder anderen Kanal und man möchte alles, nur nicht versehentlich hineinfallen. Ich verwende es nicht als Überschrift, aber mein spontan erdachter Slogan will mir nicht mehr aus dem Kopf gehen: Venedig – das Hawaii der Ratten. Ja, für die Nagetiere muss hier das Paradies sein! Dennoch: Venedig hat Charme, ist weltweit einzigartig und zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Was man in Vegas oder China zu kopieren versucht, habe ich quasi vor der Haustüre! Also besuche ich Venedig, solange es noch steht!

spaziergang durch venedig.JPG

Venedig und die unvermeidliche Selfie-Stange

Ich reise im Mai nach Venedig. Angesichts der Vielzahl an Touristengruppen – oder was die Chinesen betrifft eher Bootcamp-Truppen, die von ihren Guides im Befehlston von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gepeitscht werden – kann man sich kaum vorstellen, dass die Stadt noch mehr Masse verträgt. Doch im Juli oder August wird hier noch viel mehr los sein und so ist mein Verlangen, Venedig in der Hochsaison zu besuchen, verschwindend gering. Auch wenn jede zweite Ecke der Stadt großartige Kulissen für Fotos und Instagram-Bilder hergibt, fällt es mir hier schwer, besondere Insider-Tipps zu erkunden. Das auf den ersten Blick liebenswerte Lokal oder die kleine Bar, in der man Einheimische vermutet, entpuppt sich letztendlich doch nur als überteuerte Touristenfalle. Weder die Souvenir-Shops mit ihren venezianischen Masken noch die Papeterien mit ihrer kunstvoll hochgehaltenen Nostalgie können mich überzeugen. Statt Regenschirmen oder Rosen verkauft man neuerdings Selfie-Stangen. Auf der Rialto-Brücke oder dem Markusplatz sollte man seine Hände tunlichst in die Hosentaschen oder sonst wo vergraben, um nicht ungefragt eines der Made-in-China-Instagram-Must-Haves in die Hand gedrückt zu bekommen. Insbesondere Asiaten lieben Selfie-Stangen und finden nichts Komisches daran. Vorbei die Zeiten, als man fremde Menschen noch danach fragte, ob sie wohl ein Foto von einem machen würden. Irgendwo passierte es dann doch: Eine aufgebrezelte Russin drückte mir ihre altmodische Kamera in die Hand und setzte sich jauchzend vor unaufgeregter Kulisse in Szene. Vermutlich damit das Ego mangels Selfie-Stange trotzdem gut zur Geltung kommt!

IMG_1188.JPG

Tagestrip mit dem Boot von Caorle nach Venedig

Wer sich nun überlegt, die Sache mit Venedig doch lieber zu lassen, dem sei an dieser Stelle nun doch noch ein Flashpacking-Tipp verraten: Man muss nicht gleich mehrere Tage im überteuerten und überfüllten Venedig verbringen. Ein Ausflug für ein paar Stunden reicht völlig, um das Flair der Lagunenstadt einzufangen! Ideal ist es daher, den Venedig-Besuch (im Idealfall außerhalb der Hauptsaison!) mit einem Strandurlaub an der oberen Adria zu verbinden. In meinem Fall war das so: Ich hab meine Venedig-Visite kurzerhand in den Familienurlaub nach Caorle eingebaut. Smarte Idee! Von Caorle fährt man mit dem Auto rund 20 Minuten am beschaulichen Eraclea vorbei weiter bis nach Punta Sabbioni. Dort lässt sich bequem um ein paar Euro das Auto parken und mit dem Vaporetto geht es mit einer aussichtsreichen Wasserfahrt direkt auf den Markusplatz und bis zu den späten Abendstunden im Stundentakt auch wieder zurück. Praktische Schiffsverbindungen gibt es übrigens auch von anderen Adria-Hotspots wie Lignano oder Jesolo.

pfahlbauten venedig.JPG

restaurant tipp venedig.JPG

kanal venedig.JPG

6 Comments

  • Reply Melanie 11. Juni 2015 at 08:47

    Hallo Jeanette,

    ich durfte Venedig von einer ganz anderen Seite kennen lernen, da ich dort ein halbes Jahr studiert habe. Die Zeit war absolut fantastisch. Durch meine einheimischen Mitstudenten habe ich auch ein paar schöne Geheimtipps kennen lernen dürfen, wo es nach wie vor den Spritz noch um € 1,50 gibt oder man eine fantastische Pizza für € 6,00 bekommt. Aber als Tagestourist findet man diese Plätze eher schwer.
    Hm, zum Reisezeit kann ich sagen, dass ich am liebsten im März oder Oktober fahre, im Hochsommer und zum Karneval sind die Menschenmassen echt unerträglich.
    Für mich ist Venedig mit einer Vielzahl schöner Erinnerungen verbunden, deshalb fahre ich fast jedes Jahr einmal hin.

    Liebe Grüße

    Melanie

    • Reply Jeanette 11. Juni 2015 at 10:37

      Danke, liebe Melanie für deinen Kommentar! In einem halben Jahr hast du sicherlich einen ganz anderen Blick für die Stadt bekommen als ein Tourist oder eben ich in einem halben Tag. Venedig hat eben viele Gesichter auf ganz engem Raum! Genau das ist ja auch spannend und macht die Stadt einzigartig. Obwohl ich mich dennoch frage, wie lange Venedig diesen Touristenmassen samt diversen Kreuzfahrtschiffen noch standhalten kann…

  • Reply Anna 14. Juni 2015 at 09:41

    Hallo Jeanette,

    meiner Meinung nach reicht für Venedig ein ganzes Leben nicht. Ich komme seit drei Jahren jährlich in die Stadt und bleibe von Mal zu Mal länger und entdecke immer mehr. Als Tagestourist/in mag Venedig einem voll, touristisch und teuer vorkommen. Um Venedig wirklich zu sehen und zu lieben muss man vor 9 Uhr oder nach 19 Uhr unterwegs sein. Für mich gibt es nichts schöneres als morgens über die menschenleere Rialtobrücke zu schlendern, bei Rosa Salva am Campo Santi Giovanni e Paolo Cappuccino und Mandelbrioche zu frühstücken, tagsüber in versteckte Museen (z.B. den Palazzo Grimani in Castello) zu gehen oder den Tag auf Mazzorbo zu verbringen (am besten im Garten der Trattoria Maddalena) und abends an einem Kanal in Cannaregio echte venezianische Küche zu genießen, danach über die Scalzi-Brücke durch die leerer werdenden Gassen Santa Croces zu spazieren und den Abend direkt am Canal Grande vor der Kirche San Stae, Santa Maria della Salute oder an der Punta Dogana oder an den Zattere sitzend (zum Beispiel auf den Stufen der Gesuati-Kirche) ausklingen zu lassen. Das geht zwar auch alles an einem Tag, aber es sind zu viele “oder” in der Planung – ich könnte mich nicht für eines entscheiden. Und deswegen komme ich immer wieder, bleibe immer länger und entdecke immer mehr. Und in einer Ferienwohnung mit Dachterrasse kann man den Tag vor dem Cappuccino auch noch mit Yoga über den Dächern von Venedig beginnen!

    Liebe Grüße, Anna

    • Reply Jeanette 16. Juni 2015 at 15:56

      Das klingt in der Tat sehr fein, liebe Anna! Und ich seh schon, ich muss meine Sicht der Dinge überdenken und beim nächsten Mal auf jeden Fall auch über Nacht bleiben! Ich werde berichten! Danke jedenfalls für die tollen Insider-Inspirationen!

  • Reply Celia 23. August 2015 at 22:48

    Hallo Jeanette ,
    einen wundervollen Blog hast du hier ins Leben gerufen.
    Ich hoffe ihr habt noch ein paar schöne und sonnige Tage hier Portugal und Teil deiner Reisen sein zu dürfen, wäre mir eine grosse Freude!
    Ganz liebe, fleischlose Grüße aus Torres Vedras.

    • Reply Jeanette 24. August 2015 at 22:07

      Liebe Celia, wir sind wieder in der Heimat und ich schwärme noch von dem leckeren veganen Lunch, den wir so unverhofft in vollen Zügen genossen haben! Das OLOKUN werde ich bei meinem kommenden Portugal-Post allen Veggie- und Vegan-Fans, die sich kulinarisch durch Portugal schlagen wollen, definitiv ans Herz legen (bzw. tue es schon mal vorab mit dieser Antwort! ;-)

    Leave a Reply