Helengeli Island, Malediven – Barfuß im Paradies

5. Mai 2016

Es gibt nicht viele Orte, an welchen mir Worte so überflüssig erscheinen wie Schuhe. Helengeli Island auf den Malediven ist einer davon.

Am anderen Ende der Welt vergesse ich all das ziemlich schnell, was mir zu Hause noch wahnsinnig wichtig erschien. Auf Inseln verliere ich zudem jegliches Zeitgefühl. Ich fühle mich erleichtert, leicht und lebendig. Im Paradies, von meinen Lieblingsfarben umgeben und mit dem sanften Rauschen des Meeres in meinen Ohren, verstärken sich die Sinneseindrücke während sich sämtliche Alltagsgedanken langsam in Luft auflösen. Nennen wir es “heilsamer Tapetenwechsel”. Ich habe nur Flip-Flops mitgebracht und selbst das war schon zuviel. Keiner trägt hier Schuhe. Und dabei ist das nicht mal ein aufgesetztes Statement, das Lässigkeit demonstrieren soll! Es ist einfach so. Weil Schuhe im Paradies keinen Sinn ergeben. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass uns alleine schon das Barfußgehen zu besseren Menschen macht.

Vermutlich eine ganze Stunde lang – oder auch viel länger, wer weiß das schon – ertappe ich mich dabei, ein paar Einsiedlerkrebsen dabei zuzusehen, wie sie eigentlich nichts Wichtiges tun. Ich male mir aus, nach welchen Kriterien sie wohl ihr mobiles Zuhause auswählen und was es mit dem Getier mit der prächtig gezackten Muschel auf sich hat, die zwar extravagant ist, aber eigentlich alles andere als praktisch. Mit dem Porsche würde man schließlich auch nicht zum Campen fahren. Möchte der Krebs besonders sein? Hat er ein ausgeprägtes Ego? Hat er ein Bewusstsein oder lebt er einfach so dahin? Will er überhaupt ein Bewusstsein haben? Vielleicht ist er sich einfach nur seine ureigenen Natur bewusst. Mehr nicht. Weil es auch völlig ausreichend ist. Er braucht keinen Tapetenwechsel, so wie ich. Das brauchen nur Menschen, die alles zerdenken. Ich beobachte, wie sich jede Muschel auf scheinbar magische Weise bewegt und wieder still auf dem feinen Sand liegen bleibt, als wäre sie schon immer da gewesen. Ich bilde mir ein, dass die Krebse im Schatten eines Baumes so etwas wie eine kollektive Siesta abhalten. Manche drehen sich dabei sogar entspannt auf ihren “Rücken”, so dass man sehen kann, wie perfekt ihre Scheren in die Öffnung der Muschel passen.

Ja, und doch schon wieder so viele Worte. Oder eher in Worte gefasste Gedanken. Zu viele Gedanken. Selbst im Paradies. Was solls. So ist er eben, der Mensch. Und so bin ich. Anders als der Einsiedlerkrebs. Alles relativiert sich im Angesicht des türkisblauen Meeres und der dunkelblauen Horizontlinie, die das einzige Maß aller Dinge zu sein scheint. Hier auf Helengeli Island, das den Krebsen, den Riff-Haien und den Wasserschildkröten mehr gehört als den entspannungswütigen Touristen, die sich glücklicherweise weitgehend ohne Allüren zeigen. Es ist, als würden wir umrahmt von prächtiger Natur, die nach ihren eigenen Rhythmen lebt, ein Stück zu unserer eigenen zurückfinden…

Mein Lieblingsvideo über den Haustausch der Einsiedlerkrebse von “the one and only” Sir David Attenborough >>

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Hinweis: Danke an OBLU by Atmosphere für den Aufenthalt auf Helengeli Island im Rahmen meiner Recherchereise für die Insider Publishing GmbH.

4 Comments

  • Reply Marcel 9. Mai 2016 at 16:03

    Wunderschöne Fotos, danke für´s “Mitnehmen”! Würdest du die Malediven weiterempfehlen, viele sagen ja Thailand hätte ähnlich schone Strände zu einem weitaus günstigeren Preis!?

    LG Marcel

    • Reply Jeanette 9. Mai 2016 at 16:55

      Thailand fehlt noch auf meiner Liste, ich hab bisher nur den Airport von Bangkok gesehen, daher kann ich dir da keine Antwort geben.

      Ich glaube aber, dass sich generell Malediven und Thailand vom Reisefeeling nicht vergleichen lassen, auch wenn die Strände da und dort schön sind.
      Thailand ist vermutlich eher eine Backpacker-Destination, wogegen man auf den Malediven ja auf jeden Fall vorher sein Resort auf der jeweiligen Insel fix gebucht haben muss. Spontanes Inselhopping ist daher nicht möglich. Überrascht war ich allerdings wie wohl man sich auch als Alleinreisender auf den typischen Honeymoon-Inseln fühlt! LG Jeanette

  • Reply Marcel 9. Mai 2016 at 17:13

    Ja, dieser anhaftende Honeymoon-Charakter kommt noch dazu, das stimmt, wobei – wie du schon selbst sagst – das glaube ich eher ein Klischee oder Vergangenheit ist. Thailand hat übrigens auch sehr geile, luxuriöse Resorts – mit Backpackung würde mich da auch keiner hinlocken ;) Danke für deine Eindrücke!

    • Reply Jeanette 9. Mai 2016 at 17:55

      ja, ich weiß! in thailand gibts da auch ganz feine sachen…six senses, one & only und tolle yogaretreat locations. thailand hat sicher beide optionen, während man auf den malediven nur eine hat und kaum backpacker finden wird. und ja, das mit den honeymoon-destination halte ich nun auch für ein überholtes klischee.

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